INFP

Eigentlich wollte ich nicht mit meinem eigenem Typ anfangen. Aber damit hätte ich sämtliche INFP-Traditionen gebrochen und dem später folgendem Artikel über INFPs die Möglichkeit genommen, gleich einen wichtigen Aspekt über unsere Persönlichkeit zu demonstrieren: Narzismus.

INFPs sind sehr selbstbezogen. Unter den meisten YouTube-Videos über die verschiedenen Typen findet man meist mindestens einen viel zu langen, extrem uninteressanten Kommentar von einem INFP über seine Perspektive und sich selbst. In einer Konversation werden wir hauptsächlich über unser Leben und uns selbst sprechen. Gespräche mit uns tendieren generell dazu, aus Monologen von jedem Gesprächspartner zu bestehen. Jemand erzählt einem INFP, dass er seit gestern eine neue Mikrowelle besitzen.

Die typische Antwort:"Oh ja, ähm Mikrowelle, unsere ist total verrostet und eiert bei jeder fünften Umdrehung, sieht voll lustig aus. Ich wünschte, wir würden auch endlich mal eine neue bekommen." Und man kann mit einer 30%igen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass das mit der fünften Umdrehung ein ausgedachtes oder verdrehtes Detail ist, das der/diejenige hinzugefügt hat, um seinen Redebeitrag interessanter zu machen und damit zu entschuldigen, dass er von seiner absolut irrelevanten Mikrowelle zu reden begonnen hat. Denn fürs Ausdenken haben wir ein besonderes Talent.

Für alle Mit-INFPs, die in dieser Situation genauso wenig wissen würden, was sie sonst sagen sollen wie ich, weil sie nicht besonders gut in Small-Talk und Normal-Wirken sind: Probiert es mal damit, auf den Anderen einzugehen. Fragt ihn, ob er die Mikrowelle schon ausprobiert hat, ob sie funktioniert, wo er sie gekauft hat... hauptsache, ihr redet nicht die ganze Zeit über euch selbst.

 

Warum sind INFPs selbstbezogen? Fi ist ihre erste Funktion. Fi beschäftigt sich als Fühl-Funktion mit personbezogenen Sachen (das Leben und Erlebnisse, Gefühle, Werte, die Persönlichkeit...) und als introvertierte Funktion hauptsächlich mit der Person selbst. Fi sucht nach einem Weg, das Gesagte (und insgesamt einfach alles und überall) auf sich selbst zu beziehen (How can I relate to this? How does this affect me? What does this mean for me?...).

Das heißt aber nicht, dass sich INFPs nicht für Andere interessieren. Im Gegenteil. Man kann uns stundenlang aus seinem Leben erzählen. Es heißt, dass wir gute Zuhörer sind. Da würde ich persönlich nicht unbedingt zustimmen. Ich selbst bin extrem schlecht darin, die passende Reaktion auf das Gesagte zu finden. Aber wir hören jedenfalls gerne zu. Schon deshalb, weil wir selbst dann nicht reden müssen. Und dasselbe, was wir euch von uns erzählen, wollen wir auch von Anderen wissen. Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich extrem neugierig sein kann. Am Liebsten wüsste ich einfach ALLES über JEDEN. Auch Sachen, die mich wirklich absolut nichts angehen.

Weil INFPs normalerweise extrem interessiert daran sind herauszufinden, wie die Gehirne unserer Mitmenschen funktionieren, kann es dazu kommen, dass wir unsere Mitmenschen fast stalken, um ihre Gewohnheiten kennenzulernen und sie zu studieren. Dabei bemerken wir sehr viele Dinge und interpretieren diese meist richtig. Also passt auf, was ihr auf euer Facebook-Profil schreibt, wenn ihr einen INFP als Freund hat. Es kann gut sein, dass er aus unwichtigen Nebensätzen Sachen über euch herausfindet, die nicht mal euer Smartphone weiß.

 

INFPs haben extrovertierte Intuition als zweite Funktion, das heißt, sie haben meist einen guten Instinkt für Menschen. Sie werden oft besser darin sein als ihre Mitmenschen, zu verstehen, was ihr eigentlich sagen wolltet und auf welche Art ihr etwas gemeint habt. Sie können das Potential in ihren Mitmenschen sehen. Sie können generell Potential und Möglichkeiten sehen. Darum kann es für sie z.B. manchmal schwer werden, etwas wegzuwerfen oder zu beenden, weil ihnen so viele Möglichkeiten einfallen, wie sie das etwas noch brauchen könnten. Außerdem werden sie viele Ideen haben (-> Ausdenk-Meister) und immer mehr als eine Sache sehen, die ihr unternehmen könntet, immer mehr als einen Weg, den man nehmen könnte, um ein Problem zu lösen. Dabei werden sie nicht ganz so viele Probleme haben, Prioritäten zu setzen und sich zu entscheiden, wie ihre extrovertierte Version, dre ENFP. Dennoch behalten sie meist mehrere Plan Bs und Möglichkeiten im Kopf, an die sie sich halten werden. Auch Bücher von INFPs (denn wir sind sehr häufig gute Schriftsteller; ich bin mir halbwegs sicher, dass JKRowling eine von uns ist, auch wenn sie selbst Anderes behauptet...) sind aus diesem Grund häufig aus mehreren Perspektiven geschrieben.

Perspektivenwechsel ist auch ein Talent von Ne-Benutzern. Dabei sind INFPs mit ihrem Fi besonders darauf spezialisiert, sich in die Gefühlssituationen Anderer hineinzuversetzen. Es fällt ihnen äußerst leicht, etwas aus der Sicht eines Anderen zu sehen und sie wissen so exakt wie kaum ein anderer Typ, wie sie sich selbst in dieser Situation fühlen würden. Dadurch können sie auch relativ genau nachvollziehen, wie sich jemand Anderes fühlt. Das kann sie zu guten Schauspielern machen. Allerdings sind sie selten gut darin, etwas zu imitieren (also mit dem Körper. Solche Sachen wie einen Schreibstil können wir relativ gut imitieren), oder Gesichtsausdrücke richtig hinzubekommen, weil ihr extrovertiertes Sensing ihre schwächste Funktion ist. Was übrigens auch dazu führt, dass INFPs besonders schlecht darin sind, mit physikalischer Aggression umzugehen.

 

Ne macht es uns zudem leicht zu spekulieren und verschiedene Situationen im Kopf durchzuspielen, das größere Bild zu sehen und abstrakt zu denken, mit Metaphern umzugehen und zu wissen wie etwas aussieht, wenn es perfekt ist. Das hat zur Folge, dass wir als Menschen mit hohen Ansprüchen gelten und Perfektionisten sind. Was man hier nicht unbedingt erkennen kann, da ich mir gerade alle Mühe gebe, diesen Perfektionismus hinsichtlich Stylistik, Kommasetzung und Rechtschreibung zugunsten des Inhalts und meiner Freizeitplanung zu unterdrücken.

Außerdem sind wir gute Manipulatoren: Ne beschäftigt sich mit den Bildern in den Köpfen anderer. Da Ne unsere zweite Funktion ist, also die, mit der wir am Besten Dinge beeinflussen und verändern können, wissen wir, wie ändern können, wie andere Menschen uns und andere Dinge sehen. Wir wissen, wie das Bild im Kopf des Gegenübers zustande kommt und manipulieren es. Meist ohne zu realisieren, was wir da überhaupt machen. Das kann dazu führen, dass wir uns mehr darauf konzentrieren, wie der perfekte gute Mensch zu wirken als darauf, ein guter Mensch zu sein.

Es gibt uns auch die Fähigkeit, unsere Lügen perfekt zu vertuschen und für alles eine Ausrede zu finden. Wenn wir wollen.

 

Erkennen kann man INFPs an ihrem Idealismus (wir gelten häufig als der idealistischste Typ von allen), ihrem erwähnten Perfektionismus und ihrer ständigen Kritik, insbesondere an ihrer eigenen Arbeit, aber eigentilch an allem, dass sie sich von ihren Gefühlen stark beeinflussen und leiten lassen (Fi als erste Funktion) -wobei wir uns nicht unbedingt als emotional oder romantisch oder so was einschätzen. Versuch mal, einen Liebesfilm zu finden, bei dem ich nicht gelangweilt einpenne oder einen Lachanfall bekomme, weil alles so übertrieben dramatisiert wurde. Eigentlich kann ich ein ziemlich unsensibler Antiromantiker sein, der Andere auf die Dummheit oder Unlogik ihrer Aussagen hinweist- und es nicht mögen, etwas zu tun, was sich nicht richtig anfühlt, dass sie sehr leicht zu verletzen sind, dass sie meist ziemlich offensichtilich seltsam sind (blame the Ne) und Probleme damit haben, normal zu sein und sich an die Gesellschaft anzupassen und sie oft individualistisch sind (blame the Fi. We like the special, therefore we like to feel special) (bei mir sieht man das zum Beispiel an meiner Frisur. Ich habe eine Frisur, die sonst einfach keiner hat. Und es nicht mal eine, die irgendwie cool ist oder so. Sondern einfach nur seltsam. Warum? Mir war langweilig, da hab ich sie mir geschnitten. Ach ja, wer einen INFP als Freund hat, sollte zu seiner eigenen Sicherheit besser verhindern, dass ihm langweilig wird. Dasselbe mit ENFPs. Allerdings ist es denen oft ein größeres Anliegen, akzeptiert zu werden, man kann also davon ausgehen, dass sie nichts allzu verrücktes machen...), dass sie hauptsächlich dazu gut sind, ihr Umfeld zu unterhalten (komplexe Witze machen, Geschichten ausdenken, sarkastisch sein und kritisieren, theoretisch denken... das können wir. Aber irgendwas praktisch umsetzen oder den Flur putzen? Neee...), dass sie die Personifikation von Schüchternheit sind und daran, dass sie relativ leise reden und nie im Leben jemanden einschüchtern könnten (schwaches Se), sich oft ungeschickt bewegen und in vielen Fällen nicht besonders beliebt sind.

 

Die schwächeren Funktionen von INFPs sind introvertiertes Sensing Si und extrovertiertes Denken Te.

Die Aufgabe von Si ist es, sich gegen die Welt und deren Gefahren durch eine Ansammlung von "Waffen" (Talente, Wissen, Fertigkeiten, Güter, hoher Kontostand,...) zu verteidigen und abzusichern. Typen mit viel Si haben oft Angst vor vielem und bereiten sich auf alles mögliche vor. Sie sind außerdem häufig diejenigen, die am härtesten arbeiten und am meisten auf die Schule lernen, um fehlendes Verständnis des Unterrichtsstoffes und Lücken an Talenten in bestimmten Bereichen auszugleichen. Sie fürchten sich meist vor allem, womit sie keine Erfahrung haben und sind deshalb nicht besonders offen für Neues oder ungeplante Abenteuer.

 

Si ist die dritte Funktion des INFP und damit sein versteckter Motor. Denn obwohl der INFP von Außen her nicht unbedingt verschlossen vor Neuem wirkt oder sonst irgendwelche Si-Charakteristiken aufzuweisen scheint, ist Si prägend für seine Persönlichkeit und die Bedürfnisse dieser Funktion sind ständig in seinem Hinterkopf, auch wenn sie nicht unbedingt immer erste Priorität für ihn haben. Wenn die Bedürfnisse von Si nicht gestillt sind, wird der INFP nie ganz zufrieden sein.

Jedoch wird ein INFP, besonders wenn nicht gut entwickelt, kaum Anstrengungen unternehmen, seine Si-Bedürfnisse zu stillen. Man muss ihm Si praktisch unter die Nase halten, ihn damit füttern.

Wenn ein INFP Si-Bedürfnisse zu stillen versucht, dann tut er das häufig mit der Hilfe von Ne. Si-Typen nehmen oft unendlich viele Details war, die dem INFP entgehen. INFPs stellen ihr Si deshalb zufrieden, indem sie mit Hilfe von Ne viele Details erfinden. Das zeigt sich zum Beispiel in ihren Büchern, die mit vielen Details ausgestattet sein werden. Ein Grund, warum ich glaube, dass JKRowling eine INFP ist - und keine INFJ, wie sie selbst denkt.

INFPs werden ein starkes Bedürfniss nach Sicherheit haben, sich aber wegen ihrem schwachen Si nie richtig ausgerüstet gegen die Welt fühlen. Sie lernen nicht so sehr durch Erfahrung wie Si-Typen, weshalb sie nicht auf die selbe Art Talente ansammeln, die ihnen bei der Verteidigung gegen äußere Gefahren hilfreich sein könnten. Dass sie so wenig nützliche Talente haben, wird ihnen ein Dorn im Auge sein, es ist so ein bisschen das Drama ihres Lebens.

Ähnlich wie typische ESxJs können INFPs deshalb eine Art Angst gegenüber Neuem und Unbekanntem entwickeln und sich vor neuen Möglichkeiten verschließen, obwohl es für sie als Intuitives eigentlich charakteristisch ist, dass sie Neuem und Andersartigem tolerant und offen gegenüber stehen. Dies ist eine negative Entwicklung, die mitunter auch zur Folge haben kann, dass der INFP zu viel in seinem Kopf verschwindet, wenig Energie darauf verwendet, in der Außenwelt glücklich zu werden, zu lange und häufig über die Vergangenheit nachdenkt und sich aufgrund des Mangels an neuer Information leer und tot fühlt. Dagegen sollte ein INFP auf jeden Fall etwas unternehmen, indem er lernt, seine zweite Funktion öfter zu verwenden und sich auf sie einzulassen, anstatt sie nur zur Verteidigung gegen die Außenwelt einzusetzen. Dazu in einem anderem Eintrag mehr.

Ihren Körpern werden INFPs ebenfalls nicht unbedingt allzu viel Aufmerksamkeit zukommen lassen. Besonders in jungen Jahren können sie deshalb gesundheitliche Probleme bekommen. INFPs können - wie INTPs - mit wenig physikalischem Komfort zufrieden sein und wenig Anstrengungen machen, ihn zu erhöhen, werden aber Menschen schätzen, die ihnen zu mehr Komfort verhelfen. So werden sie selbst z.B. lieber auf dem Boden schlafen, als sich eine neue Matratze zu kaufen, lieber frieren, als sich eine Wärmflasche zu machen, lieber Süßigkeiten futtern, als sich etwas Aufwendiges zu kochen, lieber mit ständigem Husten leben, als einen Allergietest zu machen (denn Spritzen sind beängstigende Gegenstände... sie durchdringen deine Haut :/ )... Aber sie werden dankbar sein, wenn  sich jemand Anderes für sie um diese Dinge kümmert. Sie werden Menschen bewundern, die viele Details wahrnehmen in der realen Welt, hart arbeiten und aus Erfahrungen lernen. Auch wenn sie selbst nicht wissen, wie wichtig ihnen diese Dinge sind, wenn sie vielleicht sogar auf Menschen herabblicken mögen, die diesen Dingen zu große Priorität beimessen, wird es doch eine überraschend positive Erfahrung sein, mit diesen Sachen versorgt zu werden.


 

Soo, und der Rest folgt ein anderes Mal, wenn ich wieder Bock habe. Bis dahin tschau :*

26.12.15 16:00

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen